Anonym im Web: Surfen, ohne Spuren zu hinterlassen

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Mrz

Wie kann ich mich anonym im Internet bewegen? Die Anzahl der Angebote im Internet steigt täglich an. Der größte Teil davon ist für seine Benutzer kostenlos und finanziert sich ausschließlich über Werbung. Diese wird meist personalisiert von Drittanbietern wie Google AdSense ausgegeben – anhand der Spuren, die User beim Surfen im Web hinterlassen.

Die Werbe-Dienstleister versuchen anhand verschiedener Kriterien ein möglichst detailliertes Bild des Internetnutzers zu erhalten um zielgerichtet passende Werbung einzublenden, um eine möglichst hohe Klickrate zu erzielen. Die Inhalte der Werbung orientieren sich dann beispielsweise an Geschlecht, Alter und anderen markanten Kriterien, mit denen potentielle Interessenten für die Produkte eingegrenzt werden können.

 

Jeder Benutzer hinterlässt beim Surfen im Internet Spuren, die von verschiedenen Dienstleistern zu teilweise sehr komplexen, umfangreichen und aussagekräftigen Profilen zusammengefasst werden, die zielgerichtet mit Werbung versorgt werden können. Die Technik um einen Nutzer im Internet wieder zu erkennen wird allgemein als Tracking bezeichnet.

Wie werden Spuren verfolgt? Die Tracking-Techniken

Die Tracking-Techniken der Dienstleister, mit denen Sie die Nutzer wiedererkennen wollen sind hierbei vielfältig und teilweise auf technisch sehr hohem Niveau. Die Zeiten, in den Cookies oder „Zählpixel“ als einziges Kriterium zur Identifizierung eines Benutzers verwendet wurden sind lange vorbei.

Mittlerweile werden auch kurzlebigere Merkmale wie installierte Schriftarten, IP-Adresse oder verwendete Browser-Add-Ons aufgezeichnet. Bei diesen wird davon ausgegangen, dass sie nur für kurze Zeit beständig sind. Deswegen versucht man hier mit Heuristiken auf diese Änderungen zu reagieren, um den Benutzer auch nach der Modifikation eines oder mehrere Merkmale wieder zu erkennen. Nachdem ein Benutzer erkannt wurde werden beispielsweise die besuchten Seiten, die jeweilige Verweildauer, Einkäufe in Shops und vieles mehr mit ihm verknüpft. Aus diesen Informationen kann ein Anbieter bereits nach kurzer Zeit ein für weitere Werbung relevantes Profil generieren.

Wie kann ich anonym bleiben?

Viele Internetnutzer möchten nicht, dass solche Profile heimlich und ohne ihre Einwilligung angelegt werden. Deswegen haben sich ebenso wie die Qualität der Techniken zur Profilbildung auch die Mechanismen stetig weiter entwickelt, die dieser entgegen wirken sollen. Im Folgenden sollen die gängigsten Gegenmaßnahmen beschrieben werden.

Welche Methoden und Tools gibt es?

Das Do-not-Track-Flag ist ein Versuch, dem zunehmenden Datenhunger vieler Dienste auf juristischen Weg Herr zu werden. Dabei sendet der Internetbrowser des Nutzers (falls dieser es wünscht) bei jedem Seitenaufruf eine Information mit, die angibt, ob der Besucher der Seite mit dem Tracking einverstanden ist oder nicht. Wenn dem nicht so ist, dann ist die Verarbeitung der entsprechenden Merkmale untersagt. Ob sich der Dienst tatsächlich an den Nutzerwunsch hält, ist für den Besucher kaum kontrollierbar.

Auf Grund der nicht einheitlichen Rechtslage aller Länder, in denen über das Internet erreichbare Services angebotenen werden, ist davon auszugehen, dass das Do-Not-Track-Flag nur im relativ eingeschränkten Maße die Privatsphäre des Nutzers zu schützen vermag.

Virenscanner und Add-Ons mit Privacy-Funktionalität

Ein weiterer Versuch der Wiedererkennung im Internet entgegen zu wirken ist der Einsatz von lokal installierter Software wie Add-Ons, Virenscannern mit Privacy-Funktionalität oder vergleichbaren Programmen. Diese versuchen in der Regel aus den Webseiten die entsprechenden Stellen „herauszuschneiden“, die zur Wiedererkennung verwendet werden können. Alternativ dazu werden die jeweiligen Stellen an den Benutzer mit ausgeliefert aber die Verbindung zu dem Server zu unterbinden, an den diese ihre gesammelten Informationen zurück liefern.

Anonymisierungsdienste

Eine ähnliche Funktion wie die lokal installierten Gegenmaßnahmen erfüllen häufig auch professionelle Anonymisierungsdienste mit Proxies (Internet-Relais) oder VPNs (Virtuelle Private Netzwerke). Dabei stellt der Benutzer seine  Anfrage nicht direkt an die Zielseite sondern leitet seine Verbindung über einen solchen entsprechenden Dienstleister um.

Diese bieten unter anderem den Vorteil,  dass die besuchte Internetseite die eigene IP nicht „sieht“, sondern nur die des jeweiligen Anonymisierungsdienstes. Häufig sind solche Dienste kostenpflichtig oder in der kostenlosen Version nur mit einer sehr eingeschränkten Funktionalität nutzbar.

TOR

TOR (The Onion Router) bezeichnet ein sehr mächtiges Werkzeug zur Anonymisierung. Mit Hilfe der TOR-Software leitet der Benutzer alle Anfragen an Internetseiten über mindestens drei Netz-Knoten bevor die Anfrage an den eigentlichen Internet-Server zugestellt wird. Ergänzend dazu wird ein modifizierter Internet-Browser bereitgestellt, in dem bereits einige wichtige Add-Ons zur Anonymisierung vorinstalliert sind.

Durch TOR werden die Vorteile von Anonymisierungsdiensten und die von lokal installierten Gegenmaßnahmen miteinander kombiniert. Sowohl die Verwendung des TOR-Netzes als auch die Verwendung der entsprechenden Software ist kostenfreie. Durch TOR wird die Internetgeschwindigkeit  merklich reduziert.

Fazit

Als Anwender wird man es auf Dauer nicht vollständig vermeiden können Informationen über sich und sein Surfverhalten im Internet Preis zu geben. Nichts desto trotz muss man es den Datensammlern nicht unnötig einfach machen. Bereits mit geringen Aufwand (wie der Installation entsprechender AddOns) kann man das Schutzniveau deutlich anheben.